Die Chiropraktik erfreut sich steigender Beliebtheit bei Medizinstudierenden. Was man mitbringen muss und welches ihre Herausforderungen im Berufsalltag sind, erzählen uns ein Chiropraktor und zwei Chiropraktorinnen anhand eines Praxiseinblicks.

Früher galt die Chiropraktische Medizin ausschliesslich als Naturheilverfahren und war in der breiten Bevölkerung und auch in der Wissenschaft kaum akzeptiert. Patientinnen und Patienten sowie Vertreterinnen und Vertreter der Chiropraktik mussten lange kämpfen, bis sie in der Schweiz als wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethode anerkannt wurde. Mittlerweile hat sich das Image der Chiropraktik stark verbessert, mehr noch: Sie ist eine ideale Ergänzung oder Alternative zu medikamentösen, chirurgischen und physiotherapeutischen Behandlungen.

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Universitäre Medizin

Seit 2008 ist es zudem möglich, das Fach an der Universität Zürich zu studieren. Bis zum vierten Studienjahr ist das Studium der Chiropraktischen Medizin mit demjenigen der Humanmedizin identisch. Im Mantelstudium eignen sich die Studierenden spezifische chiropraktische Kenntnisse und manuelle Fertigkeiten an. Ab dem fünften Studienjahr ist das Studium von dem der Humanmedizin losgelöst. Der Fokus intensiviert sich dann noch stärker auf den Bewegungsapparat. Die Chiropraktische Medizin im Balgrist ist in der Schweiz die einzige offizielle Ausbildungsstätte für Medizinstudierende mit Schwerpunkt Chiropraktik. Jedes Jahr können Studierende in der Abteilung Chiropraktische Medizin am Balgrist als Unterassistentinnen und Unterassistenten wertvolle Berufserfahrungen sammeln. Sie erfahren hier eine intensive Betreuung durch Supervisorinnen und Supervisoren, sind aber bereits während ihres Studiums voll integriert in die Behandlung von Patienten und übernehmen teilweise schon Führungsarbeit.


Wie tickt ein Chiropraktor?

Wie die griechische Vorsilbe «Chiro» bereits verrät, geht es beim Beruf des Chiropraktors um die praktische Arbeit mit den Händen. Gerne mit den Händen am Patienten zu arbeiten ist also gewissermassen Voraussetzung. «Unsere Berufsgruppe tickt ähnlich wie Chirurgen: Wir führen einen Eingriff durch und wünschen uns, dass sich die Schmerzsituation der Patientinnen und Patienten möglichst rasch positiv verändert», sagt Dr. Daniel Mühlemann, Leiter der Chiropraktischen Medizin.

Wenn es den Patientinnen und Patienten besser geht und sie uns ihren Dank aussprechen – das ist die schönste Belohnung.

Dies bedingt immer einen Entscheid, bei dem sich Mediziner überlegen, ob ein Eingriff oder eine Manipulation sinnvoll und notwendig ist oder nicht. Während bei einer Operation verschiedene Disziplinen mitspielen und der Patient sich erst von den Strapazen erholen muss, sehen Chiropraktoren oft einen unmittelbaren Behandlungserfolg. Chiropraktoren begegnen in ihrem Berufsalltag einem grossen Spektrum an Menschen. Sie diagnostizieren und untersuchen die Patienten in der eigenen Abteilung für Chiropraktische Medizin oder weisen diese bei Bedarf an eine andere Abteilung im Balgrist zu. Der Balgrist zeichnet sich dadurch aus, dass mit dem sogenannten interdisziplinären Setting alle Fachbereiche für den Bewegungsapparat unter einem Dach vernetzt sind. Das bedeutet kurze Wege auch für die Patienten.

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Was die Chiropraktische Medizin behandelt:

  • Akute und chronische Nackenschmerzen und Bewegungseinschränkungen mit und ohne Ausstrahlungen in die Arme oder den Kopf
  • Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule und des Brustkorbes
  • Akute und chronische Kreuzschmerzen und Bewegungseinschränkungen mit und ohne Ausstrahlungen in Gesäss und Beine
  • Durch Halswirbelsäulenprobleme verursachte Kopfschmerzen und gewisse Schwindelarten
  • Schmerzen und Bewegungseinschränkungen als Folge von Abnützungen oder eines Unfalls

Ein persönliches Verhältnis

Die Abwechslung zwischen geistiger und körperlicher Aktivität sei ihr im Berufsalltag wichtig, sagt Natalie Bärtschi, die parallel zum Studium ihre Unterassistenz-Zeit im Balgrist verbrachte. Chiropraktoren und Chiropraktorinnen  sind ausserdem sehr kommunikativ – in der Sprechstunde nehmen sie sich oft etwas Zeit für persönliche Gespräche mit den Patienten. Die Anamnese ist etwas vom Wichtigsten während eines Untersuchs; sie liefert 80 – 90% der Informationen, die für eine sorgfältige Diagnose nötig sind. «Wir begleiten Patienten über den gesamten Zeitraum von der Untersuchung über die Diagnose, hin zur Behandlung bis zum Punkt, wo sie gesundheitlich Fortschritte machen und schliesslich mit dem erreichten Resultat zufrieden sind», sagt Mühlemann. Das Verhältnis ist deshalb sehr eng und die Ärztinnen und Ärzte kennen die individuelle Krankengeschichte bis ins Detail. «Wenn es den Patienten besser geht und sie sich sogar bei uns bedanken, freut uns das sehr – es ist wie eine schnelle Belohnung», so Mühlemann. Für Luana Nyirö, Assistenzärztin und seit zwei Jahren am Balgrist tätig, ist klar: «Das Spannende an meinem Beruf ist herauszufinden, welche Struktur für die Einschränkung und Schmerzen der Patienten verantwortlich ist. Gerade wenn die Bildgebung keine zusätzlichen Informationen liefern kann, ist das eine besondere Herausforderung.»

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Schmerzreduktion durch gezielte Behandlung

Häufig kommen Menschen mit unkomplizierten Problemen in die Sprechstunde. Das sind Personen mit einer akuten Nackenverspannung oder einem Hexenschuss. Chiropraktoren behandeln aber auch Patienten nach einer Operation. Bei chronischen Schmerzen handelt es sich oft um komplexe Situationen. «Patienten sind manchmal verunsichert oder gar frustriert, wenn sie zu uns kommen – gerade wenn der Schmerz neu ist oder sie ihn nicht einordnen können. Dann gilt es für uns behutsam vorzugehen und die Patienten in ihrer jeweiligen Situation individuell abzuholen», sagt Luana Nyirö.

Einzelne Techniken der manuellen Therapie stimmen wir optimal auf unsere Patientinnen und Patienten ab.

Die Chiropraktische Medizin setzt sowohl in der Diagnose als auch in der Behandlung einzelne Techniken der manuellen Therapie gezielt ein. Die Auswahl ist vielseitig: Mobilisationen mit Traktion, Manipulationen mit Impuls sowie muskuläre Techniken werden angewandt. «Diese Techniken stimmen wir optimal auf den Patienten ab», weiss Luana Nyirö aus der Praxis. Es läuft einem vielleicht kalt den Rücken runter, wenn man einem Chiropraktor zuschaut, wie er eine Wirbelsäule manipuliert. Viele fragen sich: Was passiert bei diesem deutlich hörbaren Knacksen? Dazu braucht es einen kurzen Exkurs in die Physik. Das Geräusch entsteht gemäss dem Schweizerischen Verband für Chiropraktik «ChiroSuisse», wenn die Flächen des Gelenkes getrennt werden. Viele Menschen haben Angst davor, denn sie glauben, das Gelenk verursache den Knacks. Dies ist allerdings ein Mythos. Wenn die knöchernen Gelenkpartner voneinander getrennt werden, entsteht ein Unterdruck im Gelenk. Bestandteile der Gelenkflüssigkeit verändern ihren Aggregatszustand und werden gasförmig; es kommt zum schmerzfreien Knacken. Die Chiropraktische Medizin ist ein Beruf mit viel Abwechslung. Der Balgrist bietet attraktive Anstellungsbedingungen sowie die Aussicht, bereits früh im Studium mit Patienten in Kontakt zu kommen und sie zu behandeln. Mehr Informationen zum Studium gibt es unter der Kampagnenseite study-chiropractic.ch/uzh/
 

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