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Fritz Vischer (64) ist Redaktor und Autor. Sein Buch «Ansonsten munter – Einsichten eines Rollstuhlfahrers» bietet ein Kaleidoskop an Geschichten und Gedanken. Es zeichnet Fritz Vischers eigenen Lebensweg nach und den von zwei Freunden. Kennengelernt haben sie sich Ende der 70er Jahre in der Erstrehabilitation. Einen Teil seiner Rehabilitation verbrachte Fritz Vischer im damaligen Wohnheim der Universitätsklinik Balgrist.

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«Neu erfinden müssen wir uns und unterstützen uns gegenseitig. Ansonsten sind wir munter.» Es sind solche Beobachtungen, die Fritz Vischers Buch zu einer besonderen Lektüre machen. Einsichten aus 42 Jahren als Rollstuhlfahrer.

Fritz Vischer präsentiert sein Buch

Anschaulich und lakonisch, nachdenklich und lustig, eindringlich und (selbst-)ironisch schildert Fritz Vischer, wie es ihm, Hans und Pierrot ergangen ist. Die gemeinsame Geschichte beginnt 1977. Die drei Männer sind zur gleichen Zeit in der Erstrehabilitation im Schweizerischen Paraplegikerzentrum in Basel (heute REHAB Basel). Pierrot ist Fritz Vischers Zimmergenosse, Hans ist im Nachbarzimmer. Er hat sich den zwölften Brustwirbel gebrochen, ist also ein «tiefer Paraplegiker». Pierrot und Fritz Vischer sind Tetraplegiker, sie haben eine Verletzung im Bereich der Halswirbel erlitten.

Ich bin weder Psychologe noch Soziologe. Deshalb veranschauliche ich alles mit Beispielen.

Nach der Reha schlagen sie unterschiedliche Wege ein, bleiben aber verbunden. Fritz, Hans und Pierrot kehren in die Gesellschaft zurück, nehmen aber eine neue Rolle ein. Sie müssen agil und gewandt sein, wenn sie Beziehungen anregend gestalten und sich wieder in der Arbeitswelt einbringen wollen. Dabei plagen die drei Männer gelegentliche Nöte. «Das Buch schildert, was uns das weitere Leben alles gebracht hat», so Fritz Vischer. «Viel Lustiges, aber auch Unerfreuliches ist uns widerfahren. Meine Leserinnen und Leser sind eingeladen, daran teilzuhaben. Ich will sie auch unterhalten.»

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Er habe das Buch bewusst in vier Hauptteile eingeteilt. In seinem Dasein als Rollstuhlfahrer erlebe er tagtäglich, dass sich Licht und Schatten sehr nahe stehen. Teil 1 heisst deshalb «Wie schön wir es doch haben», Teil 4 als Kontrast «Wie schwer wir es doch haben». Dazwischen sind die Teile 2 und 3: «Spiele mit der Hoffnung» und «Wir und die anderen». In diesen mittleren Teilen geht Fritz Vischer darauf ein, wie sie mit den Folgen traumatischer Vorgänge umgehen, was sie in ihnen auslösen. Er schildert den Balance- und Kraftakt im zwischenmenschlichen Alltag, den Umgang mit den Reaktionen und Emotionen der anderen. Er reflektiert über Denk- und Verhaltensmuster, über den Umgang der Gesellschaft mit Behinderung.
 

Nicht jammern, aber Probleme benennen

Er wolle nicht schwermütig klingen, das ist Fritz Vischer wichtig. Das Buch sollte kein «Geklöne» werden. Die Probleme blendet er aber keineswegs aus. Er schreibt anschaulich und lakonisch, anhand von Beispielen, Erlebnissen und Beobachtungen, die er aus seinem und dem Leben anderer gegriffen hat. Er scheut sich auch nicht, die nicht-sichtbaren Beeinträchtigungen anzusprechen. Für die Leserin und den Leser wird es nachvollziehbar, wie kräftezehrend es sein kann, als Rollstuhlfahrer möglichst normal zu leben – wobei sich die Anteilnahme der Mitmenschen und die Unterstützung durch das ganze Buch hindurch ziehen. «Als Hilfsempfänger muss man sich auch darum kümmern und die Beziehungen pflegen. Ich darf nicht in einer Konsumhaltung verharren oder mich als Opfer fühlen.»

Ich halte mich mit Schreiben über Wasser, finanziell und psychologisch.

Fritz Vischers Alltag beginnt morgens um 7 Uhr. Produktiv sei er aber erst ab 9 Uhr, halb zehn. Das ist so, weil er fast alles alleine macht und kaum Hilfe in Anspruch nimmt. Beruflich beschäftigt er sich hauptsächlich mit Schreiben. Er verfasst journalistische Texte, betätigt sich regelmässig als Blogger und ist Redaktor von Fachtexten. «Ich halte mich mit Schreiben über Wasser, finanziell und psychologisch.» Seine langjährige Erfahrung und seine Sprachkompetenz manifestieren sich auch im Buch. Es ist eine Kombination von literarischen Texten und philosophischen Betrachtungen. Und es ist ein Plädoyer für mehr Kreativität. «Wir müssen gemeinsam kreativ sein, um uns entfalten zu können», schreibt Fritz Vischer. Mit gemeinsam meint er uns alle, ob wir zu Fuss gehen oder im Rollstuhl sitzen oder mit dem Velo fahren. Sein Buch sei ein differenzierter Beitrag zur Entdeckung und Entwicklung dieser gemeinsamen Kreativität, heisst es im Geleitwort. Es eröffnet Einblicke und ermöglicht Einsichten. Lesen lohnt sich!
 

Zum Weiterlesen und Weitersagen

  • Ansonsten munter – Einsichten eines Rollstuhlfahrers
    von Fritz Vischer – Zytglogge Verlag
    ISBN 978-3-7296-5010-7
     
  • Lesung und Gespräch mit Fritz Vischer, Therese Kämpf, Paraplegikerin und Beraterin für Betroffene, Prof. Armin Curt, Leiter Zentrum für Paraplegie des Balgrist, und Martin Dürr, Seelsorger. Mittwoch, 16. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Karl der Grosse, Zürich.
     
  • Fritz Vischer ist regelmässiger Blogger auf community.paraplegie.ch

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