Mit Aktivitätsmonitoren zu mehr Informationen über Querschnittgelähmte

Wie verhalten sich querschnittgelähmte Patienten in ihrem Alltag? Über diese spannende Frage fehlen bis jetzt noch viele Informationen.

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Als Postdoc und stellvertretende Leiterin der Forschung am Zentrum für Paraplegie der Uniklinik Balgrist, nehme ich mich dem gemeinsam mit meinem Team an. Unser Projekt fokussiert auf die Benutzung eines Aktivitätsmonitors, genannt „ReSense“. Dieser misst Aktivitäten und Bewegungen der oberen Extremitäten, also der Arme und Hände von Paraplegie- und Tetraplegiepatienten.

Der kleine Aktivitätsmonitor enthält eine Vielzahl Sensoren

Der ReSense-Aktivitätsmonitor kann bis zu zwei Tage lang Aufzeichnungen machen, bevor er wieder geladen werden muss. Je nach Bedürfnis können wir die Daten einen Monat lang speichern. Die Monitore sind klein, wasserdicht und haben etwa die Grösse einer Uhr. Zudem ist der „ReSense“ so angenehm, dass die Patienten oftmals vergessen, dass sie ihn überhaupt tragen. Die Aktivitätsmonitoren bestehen aus mehreren Sensoren: Dazu gehören ein 3D-Beschleunigungssensor, der die Beschleunigung der Arme in alle drei Richtungen messen kann oder ein 3D-Drehratensensor, der die Rotationsgeschwindigkeit misst. Weiter beinhaltet der ReSense-Aktivitätsmonitor für Querschnittgelähmte auch einen Barometer, welcher Druckänderungen wahrnimmt und somit die Höhenänderung messen kann. Ebenfalls im Monitor enthalten ist ein Magnetometer, welcher die magnetische Flussdichte misst, um so die Lage des Aktivitätsmonitors festzustellen.

Aktivitätsmonitore verfolgen den Tagesablauf der Patienten

Im Rahmen des Projektes tragen Tetra- und Paraplegiker vier Aktivitätsmonitore auf sich: An beiden Handgelenken, um ihre Brust und am rechten Rad ihres Rollstuhls. Obwohl die Patienten die Sensoren während des Experiments auf sich tragen müssen, können sie ihren Tagesablauf ganz normal gestalten. Die Aktivitätsmonitore werden genutzt, um den Umfang der Aktivitäten zu messen, welche der Querschnittgelähmte während des Tragens ausführt. Zudem gibt er Aufschluss über genauere Details der gemachten Bewegungen. Abschliessend führen wir standardisierte, klinische Tests durch, welche die Funktionen der Arme und Hände analysieren. Diese Standardtests messen unter anderem die Armkraft des Querschnittgelähmten und zeigen wiederum die erzielte Reichweite der Bewegungen auf. Wir messen ausserdem, welche Aufgaben die Patienten mit den Händen ausführen können. Sie müssen beispielsweise versuchen Wasser in ein Glas zu füllen oder mit einem Schlüssel eine Tür zu öffnen. Alle gewonnenen Daten der klinischen Tests werden anschliessend mit den Daten der Aktiviätsmonitore verglichen.

Projekt bringt neue, spannende Informationen über Querschnittgelähmte

Die Informationen, welche uns die Aktivitätsmonitore liefern, können wir auch für Messungen brauchen, die uns aufzeigen, wie sich Tetra- oder Paraplegiker in ihrem Rollstuhl bewegen. So erfahren wir, ob und wie oft die Patienten ihren Rollstuhl selbstständig fortbewegen können oder ob sie gestossen werden müssen. Wir gewinnen zudem Informationen über die ausgeführten Armbewegungen. Diese Erkenntnisse sind sehr wichtig für die Forschung an Rückenmarksverletzungen. Informationen über das Verhalten der Patienten in ihrem Alltag gibt es nämlich bis heute noch keine.

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Foto: RELab, ETH Zurich

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