Ich bin ein Rollstuhl-Doktor am Balgrist Tec

Der Rollstuhl oder Rollator eines querschnittgelähmten Menschen ist mehr nur als ein Hilfsmittel. Die ständigen Begleiter ermöglichen überhaupt erst die Bewältigung des Alltags.

Autor

Marcel Bögi ist gelernter Maurer und bekam während seines stationären Aufenthalts am Zentrum für Paraplegie ein Praktikum als Rehatechniker angeboten. Seither schleift, schweisst und konstruiert er für seine Patienten was immer sie sich wünschen. Auch privat begeistert ihn alles, was einen Motor hat. So ist Marcel Bögi häufig auf dem Traktor seines benachbarten Bauern anzutreffen.

Marcel Boegi
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Deshalb werden bei uns am Balgrist Tec Termine so schnell als möglich vereinbart und in der Regel kann unser fünfzigköpfiges Balgrist Tec-Team die nötigen Anpassungen oder Reparaturarbeiten an den orthopädischen Hilfsmitteln sofort erledigen, es sei denn es muss ein spezielles Ersatzteil bestellt werden. Unsere Techniker verfügen über das nötige Wissen, um Lösungen für fast alle Probleme zu finden.

So müssen wir, nachdem die Ergotherapie die Ersteinstellung vorgenommen hat, bei Rollstühlen häufig die Feineinstellungen der Rückenlehne, die Anpassung der Armlehnen-Polster, dem Winkel oder dem Kipp-Punkt vornehmen, Reifen wechseln, die Verklemmung an den Vorderrädern lösen, die Bremse anziehen usw. Seltener müssen wir defekte elektronische Rollstühle wieder zum Laufen bringen. Das Flicken der Bremsen von Rollatoren gehört ebenso zu unserem Alltag. Wir erfüllen auch Extrawünsche: so habe ich schon einmal eine Halterung für eine Angelrute an einem Rollstuhl montiert oder ein elektronisches Sofa mit Fahrgestell konstruiert.

Während ich die Arbeit erledige, beginnen mir die Patienten häufig Fragen zu stellen. Ich sitze selber seit sechs Jahren im Rollstuhl und war nach meinem Unfall stationär am Zentrum für Paraplegie Balgrist. So kann ich Tipps und Tricks vermitteln und auch über intimere Themen Auskunft geben. Die Querschnittgelähmten tauschen sich am liebsten untereinander aus. Als Rollstuhlfahrer kann ich es mir zum Beispiel erlauben, die Patienten ganz direkt darauf hinzuweisen, dass sie auf ihre Ernährung achten und regelmässig trainieren müssen. Es macht mich stolz, wenn meine Patienten die Werkstatt zufrieden verlassen.

Welche Spezialkonstruktion haben Sie sich einmal fertigen lassen oder würden Sie sich wünschen?

 

Kommentare (4)

  • simone am 14. Jan 2013 um 19:21 sagt:

    Hallo Bögi,
    ein guates Neus wünschen Dir die Grossmänner aus Schwaben!! Fit schaust aus...wir hoffen, dass wir Dich bei unsrem nächsten Botoxtermin wieder antreffen. Das letzte Mal hattest Du frei.
    Alles Liebe bis dahin!

    Simone & Thomas

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  • Marcel Boegi am 18. Jan 2013 um 17:13 sagt:

    Hallo ihr

    Freut mich auf diesem Weg von euch zu hören, geht mir bestens merci!

    Schicke schöne Grüsse zurück. Marcel

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  • Harry Pavel am 15. Feb 2013 um 11:57 sagt:

    Hallo Marcel
    habe von Deiner Bekannten aus Weissweil von Dir gehört und frage Dich, ob Du Lust hast, Rollstuhl-basketball im Team Züri-Oberland zu spielen. Wir trainieren jeweils Mittwochs, ausser dem nächsten von 19:30 - 22:00 h. Könntest Du Dich dafür begeistern? Du erreichst mich unter 079 952 25 11 (CH Handy) oder 07745 96670 in Jestetten (Festnetz). Oder natürlich auch unter der untenstehenden Email Adresse. Vielleicht bis auf bald?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • Marcel Boegi am 21. Feb 2013 um 12:52 sagt:

      Merci für die Anfrage. Für Rollstuhl-Basketball fehlt mir aber im Moment die Zeit, sorry. Das Traktorfahren steht für mich im Vordergrund, gibt halt viel zu tun.

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