Die «Talisker Whisky Atlantic Challenge» ist so ziemlich das härteste Ruderrennen der Welt. 4’800 Kilometer sind es von La Gomera (Kanarische Inseln) nach Antigua in der Karibik. Gabi Schenkel tritt diese Extrem-Challenge als erste Schweizer Frau an und überquert den Atlantik solo und unbegleitet. Am 12. Dezember geht's los.

Gabi Schenkel beim Leistungstest in der Universitätsklinik Balgrist
Gabi Schenkel beim Leistungstest in der Universitätsklinik Balgrist
Gabi Schenkel beim Leistungstest in der Universitätsklinik Balgrist
Gabi Schenkel beim Leistungstest in der Universitätsklinik Balgrist
Gabi Schenkel beim Leistungstest in der Universitätsklinik Balgrist
Gabi Schenkel beim Leistungstest in der Universitätsklinik Balgrist
Gabi Schenkel beim Leistungstest in der Universitätsklinik Balgrist

«Rudern gibt mir Freiheit», schwärmt die aufgeweckte Frau mit den blonden Locken. Gabi Schenkel bringt sich zurzeit für ihre Atlantik-Überquerung in Form. Sie trainiert 15 Stunden pro Woche. Die Universitätsklinik Balgrist ist medizinischer Partner und Sponsor der Extremsportlerin und unterstützt sie in sämtlichen sportmedizinischen Belangen. Weshalb wagt sich die 42-Jährige genau jetzt an eine ihrer härtesten Herausforderungen? Weil sie diese liebt. Und sie lotet gerne mentale Grenzen aus.

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Allerdings ist die Grenze, wo Unangenehmes in Leiden übergeht, sehr individuell. «Ich leide nicht gern», gibt Gabi zu. Entsprechend achtet sie auf die Signale ihres Körpers und passt sich der aktuellen Situation bestmöglich an. Ein Beispiel: «Wenn die Ferse schmerzt und sich eine Blase bildet, versorge ich meinen Fuss sofort – nicht erst, wenn die Blase gross und offen ist und mich mehr leiden lässt».
 

Mehr Achtsamkeit mit der eigenen Umgebung

Gabi Schenkel trägt Sorge zur Umwelt – das ist keine Plattitüde, sondern gelebte Realität. Das bringt auch der von ihr gegründete Verein «The Swiss 1s» zum Ausdruck. Der Beitrag jedes Einzelnen zum Schutz der Ozeane ist wichtig, auch jener aus einem Binnenland.

Ich wünsche mir, dass die Menschen achtsam mit ihrer Umgebung umgehen und so die Erde und ihre Meere respektvoll behandeln.

Gabi Schenkel ist davon überzeugt, dass der Schutz der Ozeane uns alle angeht, weil Wasser unser Lebenselixier ist und der Ozean unser lebensnotwendiges Reservoir. Deshalb geht jeder Franken, der nach Abschluss des Projekts «The Swiss 1s» übrigbleibt, als Spende an die Organisationen PlasticPatrol und OceanCare. «Ich wünsche mir, dass die Menschen durch mehr Achtsamkeit sich selber gegenüber auch achtsam mit ihrer Umgebung umgehen und so die Erde und ihre Meere respektvoll behandeln.» Wie gross die Tragweite dieses Projekts ist, zeigt sich an den Kennzahlen der Atlantic Challenge, die von der spanischen Firma «Atlantic Campaigns» durchgeführt wird. Rund 30 Teams absolvieren die Route von San Sebastian auf La Gomera (Spanien) bis zur Karibikinsel Antigua & Barbuda. In den vergangenen vier Rennen wurden über sechs Millionen Euro für wohltätige Zwecke gesammelt.

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Mentale Stärke als Gradmesser

Gabi Schenkel hat sich erst 14 Monate vor dem Start für eine Soloüberquerung entschieden. Die Extremsportlerin besuchte bereits im August 2018 einen Ruderkurs für Anfänger und bereitete sich dann auf dem Zürichsee intensiv vor. Neben Bootsbeschaffung und einer Unmenge administrativer Arbeiten (Webseite, Logo, Sponsorendoku etc.) kam ab Januar 2019 auch die physische Vorbereitung hinzu. Einen ganzen Monat am Stück lebte sie sogar auf ihrem Ruderboot in Holland und machte sich mit den Abläufen vertraut.

Eine Atlantiküberquerung ist nur 20% Physis; 80% sind mentale Stärke. Eine lange Rudererfahrung ist also nicht unbedingt von Vorteil.

Gabi trainiert gezielt ihre Muskeln. Hände, Rücken und das Gesäss gewöhnt sie an längere Rudereinheiten. Der Grundpfeiler ihrer Vorbereitung ist, mental konstant an sich zu arbeiten. Der Sicherheitschef von Atlantic Campaigns sagt: «eine Atlantiküberquerung ist nur 20% Physis, 80% sind mentale Stärke und eine lange Rudererfahrung ist nicht unbedingt von Vorteil, weil die Technik, Schlagzahl und Intensität komplett anders sind.» Die ideale Person, einen Ozean im Ruderboot zu überqueren ist um die 40 Jahre alt, weiblich, ohne grosse Rudererfahrung, aber mit grossem Erfahrungsschatz im Ausdauerbereich, z.B. Ultramarathon.

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Durchhalten und ankommen

«Wahrscheinlich wird es die Routine sein, die mich am meisten fordert», wagt Gabi eine erste Prognose. Für sie wird entscheidend sein, nicht nachzulassen, regelmässig und genügend zu essen und vor allem: mehrmals täglich die Körperhygiene hochzuhalten. Salzwasser, Schweiss und viel Sitzen ist eine nicht ganz optimale Kombination. Ihr Energielevel kann sie nur halten, wenn sie auch Zeit zum Abschalten findet. In der Vorbereitung habe sie bereits die Grenzen manchmal etwas sehr ausgelotet und ist nun froh, gesund geblieben zu sein. Gabi wird durchschnittlich 16 Stunden pro Tag rudern, sofern das Wetter mitmacht. Ihr Tagesziel ist, ungefähr vier bis viereinhalb Stunden pro Tag zu schlafen – ihr oberstes Ziel: ankommen.

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