Nicola Buck

Autorin

Nicola Buck ist Stationsleiterin des Zentrums für Paraplegie Balgrist. Sie absolvierte ihre Schwerpunktausbildung in den Bereichen Intensiv- und Onkologie-Pflege und machte Weiterbildungen und Spezialisierungen in Coaching und Projektmanagement. Den Ausgleich zum Berufsleben sucht sie im Sport, beim Biken, Wandern und Segeln sowie in der Buchstabenwelt.

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Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzteschaft und Physiotherapie, das Verständnis für Forschungsthemen und komplexe Pflegeaufgaben: von Pflegefachpersonen werden spezifische Kompetenzen gefordert.

Ursprünglich komme ich aus der Intensivpflege-Medizin und habe mich in der Onkologie und Geriatrie weitergebildet. Die komplexen, psychosozialen Aufgaben im Bereich der Querschnittlähmung interessieren mich stark und sind parallel zu meiner Führungstätigkeit eine reizvolle Herausforderung. Ich schätze den Kontakt zu Patientinnen und Patienten und zu meinen Teamkolleginnen und -kollegen. An der Weiterentwicklung unseres Berufsbildes mitzuarbeiten – das macht den Pflegeberuf im Zentrum für Paraplegie lebendig und spannend.

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Paraplegie-Pflege mit unterschiedlichem Schwerpunkt

Das Zentrum für Paraplegie versorgt querschnittgelähmte Menschen umfassend von der Akutbehandlung bis zur Rehabilitation. Das übergeordnete Ziel: Patienten zu einer bestmöglichen Selbständigkeit zu verhelfen, so dass sie eine hohe Lebensqualität erreichen. Patienten werden auf zwei Abteilungen mit je 19 Betten betreut;  die vertiefte Beatmungspflege, das Wundmanagement oder die Krisenbegleitung zählen unter anderem zu den Spezialisierungen in der Paraplegie. Eine Querschnittlähmung ist sehr vielschichtig und kennt unterschiedliche Schweregrade, was die motorischen Restfunktionen des Körpers oder die Funktionseinschränkungen des Nervensystems betrifft. Diese Komplexität erfordert eine intensivmedizinische Überwachung, und Betroffene sind zwingend auf eine individuelle Pflege angewiesen.

Die komplexen, psychosozialen Aufgaben im Bereich der Querschnittlähmung  sind für mich von grossem Interesse und parallel zur Führungstätigkeit eine reizvolle Herausforderung.

Das eine Team hat sich auf die Betreuung beatmeter Patienten spezialisiert – dies sind beispielsweise Menschen mit hohen Rückenmarksläsionen. Die Atemtherapie tetraplegischer und hochparaplegischer Patienten ist deshalb besonders wichtig. Das andere Team setzt sich mit komplexen Pflegesituationen auseinander. Dazu gehören das Blasen- und Darm-Management sowie die Vermeidung eines Dekubitus. Zur Entlastung der Haut werden die Patienten nach Bedarf ihren Bedürfnissen entsprechend gelagert.

Das Arbeiten in einem interdisziplinären Team macht in der Universitätsklinik Balgrist den Unterschied. Weil sich das Behandlungsteam aus Ärzten, Pflege und Physiotherapie zusammensetzt, können wir Patienten in Krisensituationen individuell und situativ begleiten. Die interdisziplinären Visiten finden einmal wöchentlich im Patientenzimmer statt. Hier bestimmen wir unter Einbezug des Patienten den Standort und setzen mittel- bis langfristige Ziele. Uns ist es wichtig, dass der Patient uns versteht – nur durch sein Commitment erzielen wir ein nachhaltiges Rehabilitationsergebnis. Daraus folgt im Umkehrschluss, dass Pflegefachkräfte Patienten auf Augenhöhe begegnen und ihr Verständnis für das eigene Krankheitserleben und damit die Selbstkompetenz fördern.
 

Zentrale Pflegethemen

Die Edukation und Rehabilitation durch die Pflegepersonen sind zentrale Themen. Edukation heisst Angehörige oder Betreuungspersonen innerhalb des Aufenthaltes dahingehend zu schulen, wie sie mit neuen Herausforderungen im Alltag umgehen können. Im letzten Drittel der Rehabilitationsphase führen wir Wochenendurlaube zur Belastungserprobung durch. Nur so können wir feststellen, welche Defizite vorhanden sind und Hilfsmittel für die individuelle Wohnsituation anpassen. Wir haben zudem die Möglichkeit, einen Peer aufzubieten. Ein Peer ist ein ehemaliger Patient, der als Rollenvorbild in gleichgestellten Situationen den Betroffenen unterstützt und wertvolle Arbeit leistet. So können Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag authentisch begleitet werden.

Pflegepersonen müssen Patienten auf Augenhöhe begegnen und ihr Verständnis für das eigene Krankheitserleben und damit ihre Selbstkompetenz fördern.

Der regelmässige Austausch mit Vertretern des Forschungslabors für Paraplegie ist wichtig für ein vertieftes Verständnis, da Patienten fortlaufend in aktuelle Studien eingebunden werden. Bewegungswissenschaftler, Ärzte, Therapeuten und Ingenieure arbeiten im Balgrist Campus gemeinsam an neuen Behandlungsmethoden. Diese neuen, wissenschaftlichen Erkenntnisse in den Pflegealltag einfliessen zu lassen, ist sehr bereichernd.


Ein Pflegeteam am Puls der Zeit

Unsere Teams setzen sich zusammen aus Mitarbeitenden aller Altersstufen und unterschiedlicher kultureller und beruflicher Herkunft. Als Stationsleiterin habe ich eine grosse pflegerische Verantwortung, die mich täglich aufs Neue herausgefordert. Ich arbeite gleichermassen gerne mit jungen sowie erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zusammen – das gegenseitige Voneinander-Lernen motiviert mich sehr. Die Grösse des Spitales, unsere Vernetzungen mit externen Partnern und das Mitwirken in einer universitären Klinik geben uns die Möglichkeit, am Puls der Zeit zu bleiben.

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