Das Lokomat-Training ist für Paraplegiker emotional

Wenn querschnittgelähmte Menschen das erste Mal auf dem Lokomat, dem Bewegungsroboter für die Beine, stehen, ist dies häufig ein aufwühlender Moment. Denn die Patientinnen und Patienten erfahren einmal mehr, was ihre Beine noch bewältigen können und was nicht mehr funktioniert.

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Seit 2009 arbeitet Maria Merz als Physiotherapeutin FH am Zentrum für Paraplegie Balgrist, wo sie bereits ihr Praktikum absolviert hat. Sie führt regelmässig Lokomat-Schulungen durch und kennt das Gerät in und auswendig. In ihrer Freizeit ist Maria Merz draussen anzutreffen, sei es beim Klettern, Bergsteigen oder Skifahren.

Maria Merz
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Mit dem Lokomat an die Grenzen gehen

Das Training ist für querschnittgelähmte Menschen motivierend. Je nach Muskelaktivität, kann der Lokomat angepasst werden. Das Therapiegerät hilft ihnen so Fortschritte zu machen, die sichtbar sind. Es ermöglicht den Querschnittgelähmten bis an ihre Grenzen zu gehen – stets gut gesichert und unter unserer Aufsicht.

Vom Lokomat auf das Laufband ohne Gehroboter

Je nach Belastungsstabilität kann sehr bald nach einem Ereignis, das zur Lähmung der Beine geführt hat, mit dem Lokomat-Training begonnen werden. Sofern keine Operation nötig war bereits nach zwei bis drei Wochen. Hat sich die Patientin oder der Patient gut erholt, bauen wir das Lokomat-Training stetig ab und wechseln auf das Laufbandtraining mit Gewichtsentlastung jedoch ohne Gehroboter.

Manche Patienten gehen wieder selbständig, bei anderen stagnieren die Trainingserfolge

Inkomplette Querschnittgelähmte, d.h. solche, die noch über eine Restmotorik oder Restsensibilität verfügen, können sich teilweise so gut erholen, dass sie wieder selbständig gehen können. Teilweise stagnieren die Trainingserfolge aber auch, was für die Patienten sehr frustrierend ist. Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass die Querschnittgelähmten nicht einzig durch die Unterstützung des Lokomats laufen lernen. Vielmehr ist er eine sehr nützliche, ergänzende Therapiemethode. Zusätzliche Physiotherapie und Krafttraining sind jedoch unentbehrlich.

Die Glücks Post hat zwei querschnittgelähmte Patienten am Zentrum für Paraplegie Balgrist bei ihrem Training am Lokomat (sowie am Armeo) begleitet. Lesen Sie den Erfahrungsbericht der Journalistin.

 

Kommentare (7)

  • Kai am 06. Jun 2013 um 13:53 sagt:

    Sehr schade , dass diese Methode nur für inkomplett gelähmte durchgeführt wird. Ich denke man sollte den psychologischen Aspekt für komplett gelähmte nicht vernachlässigen und ebenfalls daran festhalten das unter Umständen selbst bei komplett gelähmten Erfolge zu erzielen sind (etwaige Restmotorik / Vorbeugung von Osteoporose / Kreislauftraining). Ich denke Studien mit komplett gelähmten Patienten mit Benutzung dieses Gerätes bei einer Langzeitbeobachtung wären sehr sinnvoll. Grüße

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    • Maria Merz am 10. Jun 2013 um 13:55 sagt:

      Hallo Kai

      Danke für Dein Feedback auf meinen Eintrag.

      Grundsätzlich ist das Ziel des Lokomattrainings das Verbessern der Gehfähigkeit. Dieses kann auch Nebeneffekte wie das positive Beeinflussen des Kreislaufs, psychisches Wohlbefinden, Verdauung anregen etc. haben, welche komplett Querschnittgelähmten nutzen können. Wir haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass es bei komplett Querschnittgelähmten häufiger zu Komplikationen wie Druckstellen kommt. Ob das Training prophylaktisch gegen Osteoporose wirk,t ist wissenschaftlich leider noch nicht erwiesen.

      Beste Grüsse

      Maria Merz

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  • Heinz Richter am 25. Aug 2013 um 18:22 sagt:

    Liebe Frau Merz,
    meine Frau ist seit einer OP querschnittgelähmt. Die Diagnose lautet:
    "Inkomplette Paraparese sub Th1 (ASIA B) seit dem 03.08.12
    Ätiologie: V.a. Spinalis anterior Syndrom nach Patch-Plastik V.cava superior...").
    Den komplette Arztbrief mit vielen weiteren Details kann ich bei Bedarf gerne als Scan (*.jpg) via eMail zur Verfügung stellen. Auch beantworte ich gerne Fragen zu weiteren Details des Krankheitsbildes.
    Meine Frage wäre: Kann in diesem Fall eine Behandlung in der Balgrist-Klinik erfolgversprechend sein?
    Für eine Antwort vielen Dank im Voraus

    Heinz Richter (Ehemann)

    P.S.: Sollten Sie nicht der richtige Adressat sein, dann bitte ich Sie diese Anfrage an eine passende Dienststelle weiterzuleiten. Vielen Dank.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • Armin Curt am 26. Aug 2013 um 16:02 sagt:

      Sehr geehrter Herr Richter,

      Besten Dank für Ihre Anfrage betreffend einer möglichen Gang-Therapie für Ihre Frau. Leider ist es wohl bei Ihrer Frau zu einer Durchlutungsstörung gekommen, die jetzt schon ein Jahr lang zu einer kompletten Lähmung geführt hat. Bei Durchblutungsstörungen über eine so lange Zeit können wir keine spezifische Lokomat-Therapie empfehlen, die eine Gehfähigkeit wieder zurückbringen könnte. Wir bedauern, keine bessere Nachricht senden zu können, wünschen Ihnen und Ihrer Frau jedoch alles Gute für die Zukunft.

      Beste Grüsse

      Armin Curt

      Auf diesen Kommentar antworten
  • Maria Merz am 14. Feb 2014 um 10:23 sagt:

    Sehr geehrte Frau Zarotsang

    Das Lokomat-Training ist bei den vorliegenden medizinischen Komplikationen nicht sinnvoll. Besser eignet sich im Fall Ihres Mannes eine Einzeltherapie mit einer/m erfahrenen Therapeuten, damit das Training schonender ist.

    Beste Grüsse

    Maria Merz

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  • Ralph Cramer am 22. Aug 2014 um 23:06 sagt:

    Sehr geehrte Frau Merz
    Ich habe MS (sekundär-progedient) und bin seit etwa 10 Jahren im Rollstuhl. Ich kann zwar noch stehen (wenn ich mich mit einer Hand irgendwo halten kann), aber nicht mehr gehen. Schon manchmal habe ich mich gefragt, ob mir ein Lokomat-Training helfen könnte, meine Gehfähigkeit zu verbessern. Besten Dank für Ihre Einschätzung.
    Beste Grüsse Ralph Cramer

    Auf diesen Kommentar antworten
    • Maria Merz am 28. Aug 2014 um 16:08 sagt:

      Sehr geehrter Herr Cramer
      Dass Ihnen ein Training mit dem Lokomat helfen könnte, ist nicht ganz ausgeschlossen. Es müsste jedoch zuerst Einiges abgeklärt werden. Wichtig für uns zu wissen wäre v.a., wie lange Sie schon nicht mehr gehfähig sind. Zudem muss eine genügende Gelenksbeweglickeit in den Knie- und Hüftgelenken vorhanden sein, damit ein Training auf dem Lokomat überhaupt möglich ist. Zusätzlich zu einem intensiven Lokomat-Training empfehle ich Ihnen auf jeden Fall spezifische Physiotherapie mit dem Therapieschwerpunkt Gehen.

      Freundliche Grüsse Maria Merz

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