Hippotherapie holt Querschnittgelähmte auf den Pferderücken

Die Hippotherapie ist eine Form der Physiotherapie, welche die Patienten nicht nur im muskulären Bereich stärkt und im Haltungsbereich schult, sondern auch positive emotionale Auswirkungen hat– dank überzeugenden Erfolgserlebnissen. Im Rahmen der Hippotherapie steigen die Patienten hoch zu Ross, wie der Name „Hippo“ – die lateinische Bezeichnung für Pferd – bereits erahnen lässt.

Autor

Martina Franz hat im Jahr 2000 ihr Diplom als Physiotherapeutin (FH) erworben. Seit dem Jahr 2008 arbeitet sie am Zentrum für Paraplegie Balgrist, seit 2009 als Hippotherapeutin.

Martina Franz
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Das Pferd wirkt durch seine Bewegung im Schritt auf den Patienten ein und nicht umgekehrt wie beim Reiten, wo der Reiter das Pferd steuert. Die Hippotherapie eignet sich für Betroffene mit neurologischen Erkrankungen, zu denen auch komplette und inkomplette Paraplegiker und inkomplette Tetraplegiker gehören.

Menschliches Gehen wird durch die Schritt-Bewegung der Pferde simuliert

Bei der Hippotherapie sitzen die Patienten auf einer Decke oder auf einem individuell passenden Sattel auf dem Pferderücken, so dass sie die Bewegungen des Tieres im Schritt gut wahrnehmen können. Das Bewegungsmuster der Pferde im Schritt löst die Bewegung, welche beim menschlichen Gehen in Becken und Rumpf stattfindet, beim „Reiter“ aus. Dadurch werden die Hüfte, die Wirbelsäule und die Schultern gelockert und mobilisiert, die Muskulatur gestärkt, die Haltung und das Gleichgewicht trainiert und es kann Asymmetrien im Rumpf entgegen gewirkt werden. Asymmetrien können durch Lähmungen, welche auf einer Körperseite stärker ausgeprägt sind als auf der anderen, entstehen, zu einseitigen Verkürzungen von Muskeln führen und somit den Ursprung für Schmerzen darstellen.

Isländer-Pferde eignen sich besonders gut für die Hippotherapie

Pferde eignen sich aufgrund der Statur ihres Körpers und der dreidimensionalen Bewegung, welche durch den Gang des Tieres ausgelöst wird, besonders gut für die Hippotherapie. Die meisten Pferde, welche wir für die Therapie einsetzen, sind Isländer. Es können grundsätzlich auch andere Pferderassen dafür trainiert werden, allerdings gibt es Einschränkungen bezüglich Grösse, Trainierbarkeit, Geduld und Arbeitsfreudigkeit. Aus diesen Gründen ist die Rasse der Isländer sehr beliebt und eignet sich bestens für die Hippotherapie.

Hippotherapie in der Natur als motivierende Therapieform

Die Therapie auf dem Pferderücken ist für die Patienten anstrengend, weil sie sich stets konzentrieren müssen, damit sie nicht vom Pferd fallen. Aber die Patienten schätzen das einzigartige Training sehr – die Therapie in der Natur und der Umgang mit dem Pferd unterscheiden sich von der sterilen Therapieumgebung, wodurch sie die Übungen automatisch und mit grosser Motivation ausführen. Steigungen verlangen die Anspannung der Bauchmuskeln und wenn es bergab geht, werden die Rückenmuskeln aktiviert. Diese beiden Muskelgruppen sind für eine aufrechte Körperhaltung wichtig.

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