Karen Janke

Autorin

Karen Janke arbeitet seit fünf Jahren als Pflegefachfrau HF am Zentrum für Paraplegie Balgrist. Sie ist bereits seit Ender ihrer Ausbildung in Hamburg im Bereich Paraplegie tätig, u.a. auf der Beatmungs-Abteilung, der IPS und der Intermediate Care. In ihrer Freizeit reist sie gerne, geniesst Konzertbesuche, Treffen mit Freunden und entspannt sich gerne beim Lesen, bevorzugt Krimis.

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Spastik, bzw. Spasmen sind, wie im letzten Blog erwähnt, Symptome, welche für den Betroffenen sowohl hilfreich, als auch sehr belastend und unangenehm sein können.

Nutzen erhalten – negative Begleiterscheinungen lindern

Das Ziel der Therapie muss also sein, die Spasmen so zu kontrollieren, dass sie dem Patienten ggf. weiterhin von Nutzen sind, aber negative Begleiterscheinungen und Folgen wie Schmerzen und Kontrakturen etc. so gut wie möglich gelindert werden. Hier gibt es verschiedene, sich ergänzende Möglichkeiten – eine davon ist die medikamentöse Therapie. Diese erfolgt in der Regel zunächst durch orale Spasmolytika wie z.B. Baclofen (Lioresal®), Tizanidin ( Sirdalud®), Clonazepam (Rivotril®), Diazepam (Valium®) oder Tolpersion (Mydocalm®). Diese Medikamente werden einzeln oder kombiniert eingesetzt.

Medikamentöse Behandlung von Spasmen

Wird medikamentös der gewünschte Effekt nicht erreicht, kann z.B. die Implantation einer intrathekalen Baclofenpumpe in Betracht gezogen werden. Der Wirkstoff Baclofen wird hierbei über eine individuell eingestellte Pumpe direkt in den Liquor (Rückenmarksflüssigkeit) abgegeben. Die Technik kann nur für die Therapie der unteren Extremitäten angewendet werden, da der Katheter maximal bis Höhe Th 8/9 eingesetzt werden sollte (Gefahr der Atemdepression). Auch die Injektion von Botulinum-Toxin (besser bekannt als Botox), oft auch in den spastischen Blasenmuskel, ist eine Behandlungsmöglichkeit.

Pflegerische Schwerpunkte

Auch im Rahmen unserer pflegerischen Tätigkeit am Zentrum für Paraplegie gibt es verschiedene Möglichkeiten, positiven Einfluss auf die Spastik auszuüben. Verschiedene Lagerungsmethoden zum Beispiel können sich auf die Spastik auswirken.

Lagerung bei Spastik

So empfinden manche Patienten die Bauch- bzw. 135°-Lage als angenehm. Auch Seitenlagerung wirkt sich häufig beschwerdelindernd aus. Eine weitere, häufig praktizierte Variante, ist die Froschlagerung, bei der dem Patienten in Rückenlage die Beine angebeugt und mit Kissen unterstützt nach aussen rotiert gelagert werden. Hierbei wird die Oberschenkelinnenmuskulatur gedehnt, was die Extensionsmuskulatur in den Beinen beeinflusst. Auch Lagerungen aus dem Bereich der basalen Stimulation können hilfreich sein. So z.B. die offene Nestlagerung, bei welcher der Körper in Rückenlage vom Kopf bis zu den Waden mit einer zusammengerollten Decke nachmodeliert wird. Das Ende wird am unteren Wadenbereich nach innen gelegt, die Füsse bleiben frei. Ähnlich ist die „Nussschalenlagerung“: auch hier werden seitlich des Körpers Decken fest an den Körper modelliert, die Enden werden unter die Knie gelegt, so dass diese leicht gebeugt sind. Eine weitere Form der Seitenlagerung ist die „Embryonallage“. Vom Nacken ausgehend wird eine gerollte Decke oder ein Stillkissen den Rücken entlang modelliert und dann zwischen den Beinen platziert, so dass das obere Bein auf der Decke liegt.

Aromapflegekonzept

Zusätzlich nutzen wir auch gerne unser Aromapflegekonzept, sofern der spastische Patient dies schätzt. Von den sieben ätherischen Ölen und Essenzmischungen, welche wir im Rahmen des Konzeptes nutzen, eignen sich vor allem Lavendel fein, Bergamotte und Kamille römisch, da sie entkrampfend wirken. Die besten Erfahrungen haben wir dabei mit einer 1%igen Lavendel-Jojobaöl-Mischung machen können. Die spastische Körperregion (meist die Beine) wird mit diesem Öl mit leichtem Druck in Haarwuchsrichtung (beruhigend) einmassiert.

Zugegeben, es gab Patienten, die davon nicht profitieren konnten und die Aromatherapie allenfalls als unangenehm empfunden haben. Doch bei so manchem Betroffenen konnten wir nach der Anwendung für eine gewisse Zeit eine deutliche Linderung der Beschwerden beobachten. Dies empfanden auch die Patienten so.

Für diejenigen, die es nicht so „blumig“, sondern lieber einen frischen Duft mögen, eignet sich eine Bergamotte-Ölmischung gut. Zu beachten ist hierbei jedoch die Gefahr von Hautreizungen im Zusammenhang mit Sonneneinstrahlung. Auch Kamille römisch ist eine Alternative, deren Geruch jedoch nicht von jedem geschätzt wird.

Gute Information und Rehabilitation

Abschliessend möchte ich noch einmal betonen, dass der wichtigste Aspekt im Zusammenhang mit Spastik eine gute Information und Rehabilitation des Betroffenen ist, welche es ihm ermöglicht, diese zu nutzen und Veränderungen, welche auf verschiedene Komplikationen hindeuten können, frühzeitig zu erkennen. Der Patient kann Veränderungen an sich am besten beurteilen und als „Fachperson“ seine Spastik behandeln. So kann er Komplikationen in hohem Mass selber vermeiden.

 

Kommentare (1)

  • Kilian Camponovo am 10. Mar 2019 um 18:36 sagt:

    Guten Tag Ich habe wegen einer Hirnblutung eine Spastik in meinem rechten Fuss. Mit Sportschuhen, die man gut binden kann, kann ich mich normal fortbewegen. Leider ist Joggen in den meisten Fällen nicht möglich, da sich dann die Spastik bemerkbar macht. Ich war deswegen einmal bei Herrn Kätterer im Rehab Basel in Behandlung. Er spritze mir Botox. Das Ergebnis war, dass ich Joggen konnte und der Fuss sehr entspannt war. Bei der 2 Injektion, 2 Jahre später, keine Reaktion. Herr Kätterer meinte dann, dass ich Antikörper entwickelt hätte. Also erhöte er nach 8 Monaten die Dosis. Nichts passierte. Nun würde ich gerne wissen, ob Sie in dieser Hinsicht solche Erfahrungen gemacht haben und ob Sie es eventuell besser im Griff haben. Freundliche Grüße Kilian Camponovo Auf diesen Kommentar antworten

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